Auf den Spuren des Mittelalters. Gotische Würde mit barocker Pracht.

 

Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179)

 

Ist eine seelisch-geistige Begegnung mit der Inspiration einer Frau aus 
dem hohen Mittelalter, die mich seit der ersten Annäherung an sich nicht
mehr losließ. Nicht so, dass wir uns mit ihr und ihrer einzigartigen Größe
identifizieren können - vielmehr so, dass wir uns auf sie beziehen, auf ihre
Vision von der heiliegen Kraft der Weisheit und der Wiederverbindung des
Menschen und der Natur des Kosmos.

 

Hildegard von Bingen zählt zu den bedeutesten Frauen des europäischen

Mittelalters. Der Rat der "Rheinischen Sybille"

wurde von ihren Zeitgenossen gesucht, sie predigt öffentlich,

die Kirche erlaubte ihr sogar, Klöster zu gründen.

Das Werk dieser schöpferischen und selbstbewussten Frau

ist von erstaunlicher Vielseitigkeit: Sie hat botanische Studien betrieben,
eine nach wie vor florierende Heilkunde entwickelt und eindrücklich

musikalische Werke geschaffen. Ihre literarisch-theologischen Schriften

reihen sich unter die großen Autorinnen unserer Geschichte ein.

Ora et labora

Nach heutigen Vorstellungen kann man Hildegard am ehesten als

Naturheilkundlerin bezeichnen, die ihr immenses Wissen über die

Wirkungskäfte der Natur in zwei Werken niedergeschrieben hat.:
der Physica und Causae et curae.

Hildegard selbst betonte immer wieder, dass sie ihre Kenntnisse

und Anleitungen als göttliche Visionen empfangen habe.


1158 gründete Hildegard mit etwa 18 Schwestern auf dem Rupertsberg

bei Bingen ein eigenes Kloster. Im Jahr 1165 erwarb Hildegard das
ausgebrannte Augustinerkloster in Eibingen und gründete ein Filialkloster
auch für nichtadelige Frauen. Die beiden Konvente führte die Äbtissin
bis zu ihrem Lebensende.

In Hildegards Sterbestunde habe ein riesiges, rotschimmerndes Kreuz"

den ganzen Berg in strahlendes Licht" getaucht, und es soll auch "vor ihrem

Begräbnis nicht an Wundern"gefehlt haben, die den Verdienst ihrer Heiligkeit

bezeugen. Nach ihrem Tod nahmen die Wunderwirkungen Hildegards ein

derartiges Ausmaß an, dass sich der Mainzer Erzbischof Siegfried II

persönlich zum Rupertsberg begab, um die Heilige aufzufordern,

weitere Wunderzeichen zu unterlassen. Der Prozeß der Heiligsprechung

wurde bereits im 13. Jahrhundert auf Ersuchen einer Nachfolgerin Hildegards
eingeleitet. Ihr Geburtstag jährt sich am 16. September 2017 zum 919 Mal.
Heiligsprechung war im Oktober 2012.


 

      

                              Die Äbtissin Hildegard von Bingen befindet sich im Kloster Schöntal als Leihgabe.